In vielen modernen Wohnanlagen leben Menschen jahrelang Tür an Tür, ohne ihre Nachbarn wirklich kennenzulernen. Meist liegt das nicht daran, dass sie verschlossen sind oder keinen Kontakt suchen. Viel häufiger fehlen einfach Orte, an denen Begegnungen ganz natürlich entstehen können.
Wenn Kinder gemeinsam im Innenhof spielen, kommen Eltern fast automatisch miteinander ins Gespräch. Gibt es in einer Wohnanlage gemütliche Aufenthaltsbereiche, Pavillons, Gärten und einladende Gemeinschaftsflächen, verbringen die Bewohner mehr Zeit außerhalb ihrer Wohnungen. Aus zufälligen Gesprächen entstehen Bekanntschaften. Aus Bekanntschaften werden Freundschaften. Aus Freundschaften entwickeln sich Partnerschaften – und manchmal sogar neue gemeinsame Projekte.
Dasselbe gilt auch für die Arbeit.
In den vergangenen Jahren haben viele Menschen die Möglichkeit erhalten, remote zu arbeiten. Mit dieser neuen Freiheit entstand jedoch auch eine neue Herausforderung. Menschen brauchen weiterhin einen Ort, an dem sie sich konzentrieren, Besprechungen durchführen oder mehrere Stunden ungestört arbeiten können.
Wenn sie dafür jedes Mal wieder ins Auto steigen und in einen Coworking Space fahren müssen, geht ein großer Teil der Vorteile des mobilen Arbeitens verloren. Befinden sich solche Arbeitsräume dagegen in unmittelbarer Nähe des eigenen Zuhauses, gewinnen Menschen das Wertvollste zurück, was sie besitzen: Zeit.
Und Zeit verwandelt sich fast immer in etwas, das noch wichtiger ist.
In Zeit mit der Familie. In Erholung. In Bewegung. In neue Ideen. In all die Dinge, für die im Alltag meist nur ein paar Stunden pro Woche fehlen.
Genau deshalb wird weltweit immer häufiger über Wellness-Architektur gesprochen.
Meiner Ansicht nach besteht ihre wichtigste Aufgabe nicht darin, Wohnanlagen schöner oder technologisch fortschrittlicher zu machen. Gute Wellness-Architektur hilft Menschen dabei, gesündere Entscheidungen zu treffen, ohne jeden Tag gegen sich selbst kämpfen zu müssen.
Sie zwingt niemanden dazu, mehr spazieren zu gehen.
Sie macht Spaziergänge einfach selbstverständlich.
Sie zwingt niemanden dazu, Sport zu treiben.
Sie beseitigt lediglich die Hindernisse, die zwischen dem Menschen und einem aktiven Leben stehen.